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Behandlung
Chondraler Defekte in den Fesselgelenken bei PferdenDas Fesselgelenk ist das am häufigsten geschädigte
Gelenk bei Sportpferden, wobei die Veränderungen öfter an
den Fesselgelenken der Schultergliedmaßen zu finden sind. Besonders
akute und sich wiederholende Traumatisierungen der Fesselgelenke führen
zu degenerativen Veränderungen des hyalinen Gelenkknorpels. Eine
abnorme Synovialzusammensetzung, wie sie bei Gelenkerguss und Hämarthros
nach Distorsion und Subluxation anzutreffen ist, aber auch einen gestörte
Ultrafiltration im Zuge aseptischer seriöser Arthritis, führen
zu indirekter Schädigung der Gelenkknorpelflächen. Erosion
und Ulzerationen des Gelenkknorpels finden sich vermehrt parasagittal
an den Kondylen des Metacarpus.
Problematisch bei der Heilung degenerativer Erkrankungen des Gelenkes
ist die geringe Regenerationsfähigkeit des hyalinen Knorpels.
Kommt es zu einem vollständigen Abbau des hyalinen Knorpels,
setzt der physiologische Reparaturmechanismus ein. Dabei wird aber
nur fibrokartilaginäres Gewebe (Faserknorpel) gebildet. Die biomechanischen
Eigenschaften dieses neu gebildeten Ersatzgewebes ist in Hinsicht
der Oberflächenbeschaffenheit, der Gleitfähigkeit und der
Stoßabsorption nicht mit dem orginären hyalinen Knorpelgewebes
vergleichbar. Durch die mangelnden mechanischen Eigenschaften des
Ersatzknorpels ist das Gelenk reduziert belastungstabil. Besonders
bei Pferden mit intensivem Sporteinsatz ist eine zunehmende Schädigung
des Gelenkes zu erwarten, welche wiederum nur eine Defektheilung zur
Folge hat. Dieser circulus vitiosus verringert das Leistungsvermögen
und Einsatzdauer der betroffenen Pferde.
Die konventionellen Behandlungsmethoden sollen den entzündlichen
degenerativen Prozessen entgegenwirken und – oder eine Beschleunigung
der physiologischen Reparaturmechanismen herbeiführen. Im Gegensatz
zu den bisher verwendeten Verfahren, die die Bildung von Ersatzgewebe
optimieren,zielt die Methode des Tissue Engineerings darauf ab, den
Defektbereich mit autologem Gewebe aufzufüllen, das im Laufe
des natürlichen Regenerationsprozesses wieder zu orginärem,
belastungsstabilen Knorpelgewebe führen soll.
Bisher wurden besonders in der Humanmedizin Knorpel-Knochenzylinder
aus unbelasteten randständigen Gelenksarealen in den belasteten
Defektbereich transplantiert (Mosaikplastik) oder eine Chondrozytensuspension
in den, mit einem Periostlappen überdeckten, Defektbereich injiziert.
Auch in der Veterinärmedizin, speziell in der Pferdeheilkunde
sind wissenschaftliche Studien zur Transplantation von Knorpelgewebe
in Gelenken durchgeführt worden.
Im Rahmen eines Forschungsprojektes werden in unserem Institut derzeit
an einem Verfahren gearbeitet, autologe Chondrozyten, die auf speziellen,
biokompatibelen, Matrices immobilisiert sind, in defekte Gelenkbereiche
zu transplantieren. Die Gewinnung des dazu notwendigen nativen Knorpelgewebes
erfolgt intraarthroskopisch. Der aus einem randständigen, unbelasteten
Bereich des Talocrural-Gelenk entnommene Knorpel wird durch eine spezielle
biotechnologische Verfahrensweise aufgearbeitet. Hierzu werden die
Chondrozyten isoliert, vermehrt und auf Vliesen immobilisiert werden.
Etwa nach 6-8 Wochen können dann die mit Chondrozyten beladenen
Vliese implantiert werden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt erfolgt
die Transplantation in arthrotomierte Fesselgelenke (siehe Bild 1).
Der Defektbereich befindet sich parasagittal am Condylus des Röhrbeins.
Die Fixation des Vlieses erfolgt durch Mitek-Fadenanker (siehe Bild
2).

Bild 1: Arthrotomiertes Fesselgelenk mit
implantiertem Vlies |
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Bild 2: Röntgenaufnahme eines Fesselgelenkes
mit Knochen-Ankern |
Nachteilig bei dieser Fixationsmethode erweist sich die invasive Vorgehensweise,
wodurch Einblutung inden Defektbereich auftreten können und damit
die Ausbildung von hyalinem Knorpel vermindert werden kann (siehe
Bild 3). An einer unter arthroskopischen Bedingungen möglichen
Fixation der Vlies durch Klebstoffe oder durch Verwendung von Hybridvliesen,
die zusätzlich noch mit autologen Osteoblasten beladen sind,
wird derzeit intensiv gearbeitet. Dabei dienen die Osteoblasten als
Basisverankerung bei einer zusätzlich defekten subchondraler
Knochenplatte. Trotzdem kann gesagt werden, daß das Regnerationsvermögen
des Knorpels bei der Verwendung dieser neuartigen Methode als gut
zu beurteilen ist. In Bild 4 ist ein Gelenkquerschnitt zu sehen, in
dem ein mit Chondrozyten besiedeltes Vlies implantiert worden war.
Man kann auf dieser REM- Aufnahme deutlich sehen, daß nach ca.
6 Monaten eine fast vollständige Ausheilung des Knorpeldefektes
zu erreichen ist.

Bild 3: ArthroskopiertesFesselgelenk,
3 Monate nach Implantation |
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Bild 4: Aufnahme eines Fesselgelenk-Querschnittes
nach 6 Monaten |
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