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Professor Manfred Günther gründete einst
mit zwei Kollegen das Forschungszentrum / Nun geht er in den Ruhestand
Abschied nehmen musste gestern Prof. Dr. Manfred Günther.
Er ist einer der drei Gründungsväter des Bad Langensalzaer
Forschungszentrums für Medizintechnik und Biotechnologie (fzmb).
Nun geht der 69-jährige in den Ruhestand. Der Forschung bleibt
er aber weiter verbunden.
Von Britt Mandler
Bad Langensalza.
Dutzende Kollegen und Wegbegleiter schüttelten dem Professor
gestern zum Abschied die Hand. Manfred Günther wollte eigentlich
nur klein feiern, dass er in Rente geht. Da hatte er allerdings
die Rechnung ohne seine Mitarbeiter vom fzmb gemacht. Zu seinen
Ehren wurde ein Fachkolloquium organisiert, zu dem sich all jene
Wissenschaftler angesagt hatten, mit denen Prof. Günther jahrelang
zusammengearbeitet und geforscht hat.
Geradlinig war der Weg des gebürtigen Thalheimers nie. Als
Sohn von Großbauern war ihm der Besuch der Oberschule und
somit das Studium verwehrt. Doch Günther hielt an seinem Ziel,
Tierarzt zu werden, fest. Er machte eine Lehre und erlangte über
den zweiten Bildungsweg die Hochschulreife, so dass er schließlich
doch die Zulassung für die Veterinärmedizinische Fakultät
Leipzig erhielt.
1961 hatte Günther sein tierärztliches Staatsexamen in
der Tasche und wurde nach kurzer Zeit Assistent in der Privatpraxis
von Dr. Kurth in Bad Köstritz. Zeit zum Einarbeiten blieb
kaum: Der Chef baute einen Motorradunfall und übertrug fast
alle Arbeiten auf Günther, bis er wieder genesen war. Der
Thalheimer wuchs jedoch an seinen Aufgaben. Nicht nur im kurativen
und prophylaktischen Bereich, sondern auch in der Praxisorganisation
sammelte er wertvolle Erfahrungen, die ihm zugute kamen, als er
1962 die Leitung der staatlichen Tierarztpraxis in Bürgel übertragen
bekam. „Die Zeit als praktischer Tierarzt war mit die schönste
Zeit meiner beruflichen Tätigkeit“, schwärmte der
Professor. Doch dann wurde die ihm zugeordnete LPG umstrukturiert,
so dass er immer weniger operative Aufgaben wahrnehmen konnte,
sich dafür aber zunehmend um die Administration kümmern
musste. Deshalb entschied sich der inzwischen promovierte Tierarzt,
als
wissenschaftlicher Assistent und später Oberassistent an die
Chirurgische Tierklinik der Leipziger Uni zu wechseln.
Dort schlug er eine wissenschaftliche Laufbahn ein, habilitierte
sich und vertiefte sein Wissen in der Veterinärmedizin. Er
führte Klinikstunden für Studenten durch und hielt Vorlesungen
in allgemeiner und spezieller Veterinärorthopädie.
All das bereitete Ihn gut auf seinen nächsten Posten vor.
1968 wurde er Direktor der Ingenieurschule für Veterinärmedizin
in Beichlingen. Hier schuf er unter anderem die Voraussetzungen
für die kontinuierliche Fortbildung der Tierärzte. 1982
wurde ihm der Professoren-Titel verliehen. 23 Jahre bemühte
er sich, die veterinärmedizinische Bildungsstätte in
Beichlingen zu einem national und international anerkannten Forschungszentrum
zu machen. Mit der Wende wurde das Haus geschlossen, weil das Berufsbild „Veterinäringenieur“ nicht
mehr existierte und die Zuständigkeit für die Weiterbildung
der Tierärzte zu den Ländern wechselte.
Schon bald aber fand Professor Günther neue Aufgaben. Bis
1994 bot er über 80 Kurse auf dem Gebiet der minimal-invasiven
Chirurgie für Humanmediziner an. 1994 schließlich hob
er mit Professor Dr. Zeth und Professor Dr. Schmauder das fzmb
aus der Taufe.
Er sei Bürgermeister Bernhard Schönau zu großem
Dank verpflichtet, dass er ein solch großes Vertrauen in
die drei Professoren gesetzt habe, betonte Günther. Er brachte
vor allem seine Erfahrungen auf klinischem und operativem Gebiet
ein. In den vergangenen 12 Jahren sah man ihn sowohl am OP-Tisch
der Tierklinik als auch beim Forschen sowie der Weiterbildung von
Human- und Veterinärmedizinern sowie der Ausbildung von Tierarzthelfern.
100 Kurse fanden seither statt. Der Professor betreute aber auch
Veterinäre bei ihrer Fachtierarztausbildung und ihrer Promotion
sowie Humanmedizinern bei ihrer Habilitation. Günther kann
zudem auf zwei Monografien, zwei Lehrbücher, ein Lehrbucheintrag
und 37 Veröffentlichungen verweisen. Sein Werk „Klauenkrankheiten“ erschien
in fünf Auflagen. Zudem gab er eine achtbändige Lehrbuchreihe
heraus, die zum Teil auch ins Spanische übersetzt worden ist.
„Eigentlich wollte ich ja keinen so großen Bahnhof zu
meinem Abschied“, schmunzelte der Professor. Und freute sich
doch, das so viele Berufskollegen gekommen waren, mit denen er jahrezehntelang
gearbeitet und geforscht hat. Die Koryphäen unter ihnen stellten
sich auch für Vorträge zur Verfügung. Professor
Hiepe zum Beispiel von der Humboldt-Uni in Berlin, der ein Experte
auf dem Gebiet der Parasiten ist. Professor Seidel ist Physiotherapeut
am Sophien- und Hufelandklinikum in Weimar. Seine im humanmedizinischen
Bereich gewonnenen Erkenntnisse werden gerade auf die Tiermedizin übertragen. „Denn
warum sollen wir das Rad neu erfinden?“ meint Günther.
Physiotherapie bei Tieren könne die Behandlung bestimmter
Krankheiten ein ganzes Stück nach vorn bringen. Gemeinsam
mit Professor Dr. Fischer von der Jenaer Uni wurden tausende Vierbeiner
aufs Laufband geschickt, um deren Bewegungsabläufe zu studieren.
Die Ergebnisse werden unter anderem Hundezüchtern zur Verfügung
gestellt, damit sie ihren Tieren keine schmerzhaften Gelenkfehlstellungen
anzüchten. Wichtig sei, dass Human- und Veterinärmediziner
zusammenarbeiten, machte Prof. Günther deutlich. Auch Ingenieure
werden oft in die Arbeiten einbezogen, um Produkte oder Behandlungsmethoden
weiterzuentwickeln, die Mensch und Tier zugute kommen.
Angesichts dessen sei der große Bahnhof ja doch eine gute
Sache, so der Professor. Denn das Kolloquium diene vor allem der
Kontaktpflege und der Entwicklung neuer Ideen. Er wünsche
sich, dass sein Lebenswerk fortgesetzt wird und dem fzmb die Forschungsprojekte
nicht ausgehen. Tatsächlich zur Ruhe werde er sich nicht setzen,
verriet Prof. Günther. Er werde weiter forschen und seinen
einstigen Kollegen mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Artikel TA vom 28.01.2006
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