Forschungszentrum für Medizintechnik und Biotechnologie
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Zellulose als Wirkstofftaxi


BAD LANGENSALZA. Eine Idee, welche die gesamte Kosmetikindustrie revolutionieren könnte: Die Herbsleber Firma Macon, das Forschungszentrum für Medizintechnik und Biotechnologie (FZMB) in Bad Langensalza und die Universität Jena wollen einen neuen Trägerstoff auf Zellulosebasis entwickeln, der gegen Liposome und Co. antreten kann."Wir entwickeln ein neues Taxi, der Wirkstoff ist dabei der Passagier, der befördert werden soll." So erklärt Michael Kispert, Diplom-Chemiker bei Macon Meerescosmetik, das komplizierte Forschungsprojekt mit einfachen Worten. "Wobei", sagt er, "wir nicht wissen, was die Fahrt kosten wird."Die Grundlage für dieses Projekt hat die Uni Jena an ihrem Kompetenzzentrum für Polysaccharidforschung gelegt. Das Bad Langensalzaer FZMB und der Herbsleber Kosmetikhersteller Macon widmen sich nun der angewandten Forschung, Sogenannte nanopartikuläre Zellulose soll dabei gegen die Liposome und Co. antreten, die bisher Trägersystem für kosmetische Wirkstoffe sind. Erste Vorversuche sind gemacht. "Die Zellulose hat gutes Potenzial", informiert FZMB-Geschäftsführer Peter Miethe. Sie ist in der Lage, ein Art Knäuel zu bilden, in dem sich Wirkstoffe einlagern und schützen lassen. Konservierungsstoffe werden somit nicht gebraucht, so Miethe. Die Zellulose könnte es sogar schaffen, schwer in Wasser lösliche Substanzen direkt auf die Haut zu bringen wie zum Beispiel Vitamine A und E in ihrer reinen Form. Diese können die Haut schützen, erneuern und glätten.Bei der Herstellung von Zellulose hat sich das Forschungszentrum für Medizintechnik und Biotechnologie bereits auf dem Markt etabliert. Rund eine Tonne des Materials werden hier jedes Jahr produziert. Nicht nur für die Kosmetikbranche, auch in der Medizin findet Zellulose Anwendung etwa als Wundverband, der keine Narben hinterlässt.Unterstützung erhoffen sich die drei Kooperationspartner über das Programm Verbundforschung, das europäische Fördermittel bereitstellt. Denn im Gegensatz zu großen Konzernen, die Milliarden in die Forschung stecken, können mittelständische Unternehmen nicht solche Summen investieren. Mehr als zwei Jahre wird es dauern, bis ein erstes Labormuster abgeliefert werden kann. Wenn die Ergebnisse wie erhofft ausfallen, käme aus Thüringen eine Innovation, welche die gesamte Kosmetikbranche revolutionieren könnte. "Es wäre es völlig neuartiges Produkt", erklären Miethe und Kispert. "Wenn das klappt, schlagen wir richtige Wellen."

Sabine SPITZER