Forschungszentrum für Medizintechnik und Biotechnologie
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Schöner Schritt


BAD LANGENSALZA. Auf ein Laufband geschickt wurden jetzt Pferde in der Bad Langensalzer Tierklinik. Grund ist eine wirtschaftsnahe Forschung.Sportler kennen es. Wer seine Fitness, seine Fortschritte im Training unter nahezu klinischen Bedingungen, ohne Einfluss von Wetter und Gelände testen möchte, muss aufs Laufband und dort seine Leistungen auswerten lassen. Auch der Athlet Pferd. Coolio ist kaum nervös. Zehn Minuten lang bewegt er sich auf dem Laufband. Ganz ruhig und gleichmäßig, ohne jede Anstrengung. Zu laufen, wenn auch in diesem Falle nur im Schritt, ist für ihn die natürlichste Sache der Welt. Jede Bewegung wird aufgezeichnet und durch einen am linken Vorderhuf befestigten Sensor auf den Bildschirm übertragen. Der Blick der Tiermediziner Dr. Helmut Marquis und Dr. Parvis Fellaturi wechselt zwischen dem Pferd und einem kleinen Monitor. Dort wird jeder Schritt des vierjährigen Pferdes, jede Fußung, erfasst.In Bad Langensalza betreibt man für zwei Jahre "wirtschaftsnahe Forschung", wie es Dr. Dirk Barnewitz von der dortigen Tierklinik nennt. Die Klinik arbeitet zusammen mit einer Ulmer Firma für Tiermedizintechnik und dem Doktoranden Armin Kirchdorfer. Sie untersuchen, wie eine Rüttelplatte das Gangbild der Pferde verändert und was in den Enzymen in der Muskulatur passiert. Fünf Minuten müssen Coolio, das einmal ein Vielseitigkeitspferd werden soll, und die drei anderen Tiere, die Pferdewirtschaftsmeisterin Birgit Dammer aus Stedten bei Weimar mitgebracht haben, dort stehen, während ihre Muskeln stimuliert werden. In der Humanmedizin wendet man solche einzeln schwingenden Bodenplatten bereits erfolgreich an, sowohl zur Leistungssteigerung als auch zur Rehabilitation, erklärt Dr. Marquis. Im Training der Pferde spielte die Methode bisher eher eine untergeordnete Rolle, wenngleich selbst deutsche Dressur-Olympiasieger - ganz subjektiv - von der Wirkung überzeugt sind.Die Wirkung ist schnell nachzuweisen. Nach fünf Minuten wechselt Coolio wieder zurück aufs Laufband. Der Computer, der 1000 Messwerte pro Sekunde erfasst, erkennt eine größere Schrittlänge des Pferdes, das sich konstant mit sechseinhalb Kilometern pro Stunde auf dem Band fortbewegt, eine gleichmäßigere Bewegung. Die Ursache für die, wie es die Wissenschaftler nennen, bessere Rittigkeit und Lockerheit seien bis in die Tiefe besser durchblutete und aktivierte Muskeln. Bis zu vier Wochen soll der Effekt anhalten, wissen die Tiermediziner. Einen Effekt, den sich auch Besitzerin Birgit Dammer zunutze machen möchte. "Als Reiter hat man es schwer, den Schritt der Tiere zu verbessern. Ich glaube, dass der Einsatz der schwingenden Platten sich positiv auf die Ausbildung junger Pferde auswirken kann." Als Trainingsmittel will sie das aber nicht ansehen, "da glaubt noch einer, er muss gar nicht mehr mit den Tieren arbeiten, und es reicht, sie auf die Rüttelplatte zu stellen".

Denn bei Pferden ist es nicht anders als bei den Menschen: Sie wollen sich bewegen, die eleganten Vierbeiner am liebsten 16 Stunden am Tag auf der Wiese stehen und fressen.

Claudia BACHMANN

Thüringer Allgemeine, Lokalausgabe Bad Langensalzaer Allgemeine vom 22.02.2008

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